Blutengel

      Blutengel – Black Symphonies CD vö : 28.02.2014

      Nach dem ersten „Gothic meets Klassik“ Festival 2012 in Leipzig, war Blutengel Mastermind Chris Pohl und Sängerin Ulrike Goldmann klar, dass sie ihre gefühlvoll umarrangierten Songs, durch den bombastischen Klangkörper eines vollen Orchesters, nicht als einmaliges Projekt hinter sich lassen wollen. So kam es schließlich auch, das sich Ende 2013 eine Tour mit Kammermusikensemble durchführen ließ, bei der die Songs, unter neu Arrangierung und reduziert auf das Wesentliche, die Fans in den Hallen begeisterte (Bericht hier). Und damit die treue Anhängerschaft auch zu Hause etwas davon hat, kam es zu einer großangelegten Studioproduktion mit dem vollen Umfang eines großen Orchesters.

      Den Anfang macht das Intro „Legend“, das sehr gefühlvoll und ruhig startet, dann aber immer mehr an Dynamik gewinnt und schließlich durch die Stimme von Sänger Chris Pohl weitergetragen wird. Leider geht der Gesang von Ulrike Goldmann hier ein wenig unter. Gefolgt von dem Song „Krieger“, der gleich zu Beginn härter erscheint, kommt die Stimme der Sängerin viel besser zur Geltung, wobei der Gesang von Chris wieder sehr gut mit dem Orchester harmoniert. Das Stück wirkt gesamt sehr gut auf die beiden Akteure angepasst und in der Mitte etwas weicher. „Soultaker“ beginnt mit Hammerschlägen und lässt die Nummer dadurch düsterer wirken. Dieser Eindruck wird durch die starke Gesangsstimme von Sänger Chris souverän weiterverfolgt, wobei Ulrike hier schöne klassische Akzente setzt. Leider geht ihr Part im Refrain wieder etwas unter und der Song endet etwas abrupt. Der vierte Song „Über Dem Horizont“ beginnt sehr gefühlvoll und die Stimmen der beiden runden das Bild ebenso anmutend ab. Hier passt einfach alles. Dies ist eine sehr schöne Ballade, die sich sicherlich auch gut zum Tanzen eignet. Weiter geht es mit „Deine Welt“, beginnend mit einem schönen Klavierspiel geht es ruhig weiter. Bei diesem Track kommt meiner Meinung nach der Text besonders gut zur Geltung, auch den man sich im Verlauf gut einlassen kann. Nach zwei ruhigeren Songs, geht es beim sechsten „Behind The Mirror“ von Beginn an wieder etwas düsterer zur Sache. Auch wenn das Stück an sich düsterer wirkt, kommt die Stimme von Chris sehr klar rüber und verleiht dem Song eine besondere Note. Mit „Kinder Dieser Stadt“ nimmt man ein wenig Fahrt auf und die Stimme von Ulrike wirkt sehr schön klassisch, was einen guten Kontrast zum tieferen sonoren Gesang von Chris darstellt. „Reich Mir Die Hand“ ist gesanglich sehr gut von den beiden aufeinander abgestimmt und wird vom Orchester prima getragen. Es wird wieder ruhiger bei dem neunten Song „Die Zeit“ und hier legt man gesangstechnisch noch eine gefühlvollere und melancholischere Schuppe drauf. Ein sehr emotionaler Song, der gerade von der Geigenpassage gut betont wird und für Gänsehaut sorgt. Wer sich hier den Text genauer anhört, merkt schnell, wie tiefgründig Blutengel doch schürfen. Eine sehr schöne Ballade, die mir persönlich am Ende ein klein wenig zu schnell endet. „Seelenschmerz“ ist wohl der Song, der am besten verdeutlich, wie viel Potenzial hinter Ulrikes Gesang steckt und wie gut dieser zu einem klassischen Orchester passt. Leider ist der Text nicht allzu vielfältig, was ab der vierten Minute dann leider zu langatmig wird. Anfangs noch sehr gefühlsbetont startet „You Walk Away“ wird dann wieder härter und düsterer. Allerdings ist das Gesamtpaket musikalisch und gesanglich sehr schön Umgesetzt. Den Abschluss macht der Song „Monument“, somit endet diese CD so, wie sie auch begann, äußerst gefühlvoll.

      Fazit: Wer den Silberling einmal durchgehört hat, weiß, warum die beiden Akteure sich dazu entschlossen haben sie genauso aufzunehmen. Hier harmoniert wirklich alles sehr gut Miteinander, und auch wenn man teilweise denkt „das hab ich aber gerade schon irgendwie gehört“ und es dadurch etwas langweilig wirkt, so liefert das Gesamtpaket eine sehr schöne Mischung. Zwar geht hier und da der Gesang von Sängerin Ulrike mal etwas unter, aber an anderer Stelle besticht er dann auch wieder. Für Blutengel-Fans ohnehin ein Muss im CD-Regal.



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      Blutengel – Black Symphonies CD vö : 28.02.2014

      Bereits nach dem ersten Gothic Meets Klassik Festival im Jahr 2012 hätte es wohl keine Glaskugel gebraucht um zu erahnen, dass der umtriebige Chris Pohl nicht einfach nur ein Konzert in klassischer Darreichungsform (sprich: mit komplettem Orchester) präsentiert und es damit auf sich beruhen lässt. Nej, angestachelt von dem offenbar sehr positiven Feedback folgte im Jahr danach eine Tour, die BLUTENGEL und das Monument Ensemble erneut vereinte. Und all jenen die Möglichkeit gab, Blutengel in Klassik nachzuholen, die bei dem besagten Festival nicht dabei waren. Und auch hier musste man keine Skill-Punkte in die Hellseher-Fähigkeit investieren um sich ausmalen zu können, dass dies immer noch nicht alles gewesen sein konnte. Schließlich hatte Kollege Ronan Harris schon unmittelbar nach dem GMK verkündet: ein VNV Nation Album klassischer Machart werde kommen! Tja, bis heute fehlt davon jede Spur. Dafür präsentierte Chris Pohl letzten Freitag das neue Album seines Lieblingsprojektes: „Black Symphonies (An Orchestral Journey)“. Ja na dann: einmal mehr Bühne frei für Blutengel und Orchester.

      Wie Ihr Euch vermutlich denken könnt, handelt es sich bei diesen schwarzen Sinfonien um einen kleinen Querschnitt aus dem bisherigen Schaffen der Berliner Dark Electro Band. Chris Pohl und seine oftmals wechselnden Gesangsdamen können inzwischen auf eine ja doch schon recht beachtliche Diskografie zurückblicken. Einige der besten Stücke Blutengels entstanden zweifelsfrei durch das Mitwirken von Goldkehlchen Ulrike Goldmann, daher ist es nur konsequent, dass sich die Auswahl der Songs weitestgehend auf „Black Symphonies“ auf die jüngere Bandgeschichte konzentriert. „Soultaker“, „You Walk Away“, „Kinder dieser Stadt“, „Reich mir die Hand“, „Über den Horizont“ – alles Stücke die aus Zeiten stammen, in denen die früheren Sängerinnen Blutengels nur noch eine Erinnerung sind. Einen Ausflug in die ganz frühen Tage unternimmt die Band mit „Seelenschmerz“. Logisch, dieser Überhit darf einfach nicht fehlen. Hier zeigt Frau Goldmann in der klassischen Version einmal mehr, was sie kann. Tut mir leid, Kati und Gini, ihr mögt das Lied damals in die Welt gesetzt haben, neue und spannendere Facetten gewinnt es aber erst durch Ulli. Und das nicht nur des neuen Klangbildes wegen. Herr Pohl ist gut damit beraten, Frau Goldmann weiterhin bei Blutengel zu halten. Darüber hinaus findet sich in der Tracklist des Albums auch das neue Stück „Krieger“. Zu diesem aber später mehr.
      Dass Ober-Blutengel Chris Pohl die Arrangements für ein klassisches Orchester nicht selbst vorgenommen hat, wird wohl niemand ernsthaft vermutet haben. Diese stammen stattdessen von Conrad Oleak. Conrad wer? Macht nüscht, wenn Euch der Name zunächst nichts sagt. Conrad Oleak ist kein unbeschriebenes Notenblatt (ähem…), was klassische Arrangements angeht. Schon beim „Monument“, dem letzten ‚normalen‘ Blutengel Album hatte er seine Finger im Spiel. Und Hörer gern genommener Ostrock-Bands erinnern sich vielleicht: auch Ostrock gab es schon einmal in Klassik. Und wer hatte damals ebenfalls seine Finger im Spiel, als Silly, Karat, Dirk Michaelis oder die Puhdys von einem Orchester begleitet wurden? Riiichtig, genau. Er schrieb die Songs Blutengels um, so dass sie nun mittels Violine, Cello, Akustikgitarre, Klarinette, Klavier, Percussions und ähnlichen Instrumenten eingespielt werden können, ohne dabei die Songstruktur, die Melodienbögen oder die Hooklines als markantes Erkennungsmerkmal einzubüßen. Was durch passiert: selbst der noch so totgedudelste Blutengel Song erstrahlt in neuem Glanz. Und kann dabei nicht mal durch die manchmal bekannt kitschigen Texte kaputt gemacht werden. Somit steht den Songs das neue Outfit ganz hervorragend.

      Ich habe Ende letzten Jahres selbst in Berlin einem Blutengel in Klassik – Konzert beigewohnt. Ich würde nach wie vor behaupten, es handelte sich dabei um das bisher beste Konzert der Berliner, das ich je gesehen habe. Und das waren im Laufe der Jahre doch schon so einige. Auch über den Blutengel-Tellerrand hinaus zähle ich es zu den Highlights. Die Spielfreude aller Akteure auf der Bühne war beeindruckend. Und: über das Für und Wider, eine Klischeeband wie Blutengel nun auch noch mit Orchester zu versehen, lässt es sicherlich streiten. Unbestreitbar ist aber auch, dass das besondere Feeling, welches die Tour mit dem Monument Orchester verbreitete, auf „Black Symphonies“ ganz hervorragend eingefangen wurde.
      Es ist allerdings schade, dass angesichts der Tatsache, dass das Label Out Of Line im Werbetext nicht mit dem Wort „bombastisch“ spart und der Sound zwar klar, differenziert und vernünftig akzentuiert aus den Boxen tönt, satten – bombastischen – Bass jedoch oft vermissen lässt. An manchen Stellen hätte da deutlich mehr hosenbeinflatterndes Grollen kommen können. Unterm Strich ist das aber Jammern auf hohem Niveau, insgesamt gehört „Black Symphonies“ aus produktionstechnischer Sicht zu den besten Blutengel Alben. Inhaltlich womöglich auch, aber das ist wie so oft Geschmackssache.
      Ein Wort noch zu „Krieger“, das als Single dem Deluxe Box Set beiliegt. Diese Widerstandshymne für Feld-, Wald- und Wiesengruftis die noch der Meinung sind, mit dem Hören von Blutengel (und ähnlichen Bands) entginge man der ach so geächteten Zuordnung zum Mainstream, ist dennoch eine schicke Düsterpop-Nummer. Zumal sie beides vereint, was man an Blutengel schätzen kann: tanzbare Electro-Töne, catchy Hooklines – und neuerdings halt (noch mehr) orchestrale Elemente. Es gab gute Blutengel Singles, es gab schlechte. „Krieger“ ist eine der besseren, gar keine Frage. Macht auf schwarzen Parties sicher eine gute Figur. Chris Harms und seine Kollegen haben dem Song in der Lord Of The Lost Version in ein treibendes, manchmal knüppelhartes Brett im Spannungsfeld zwischen Rock und Metal verwandelt. Fetzt auch. „Grey City“, der dritte Track der „Krieger“ Single, ist wieder eine dieser kleinen Blutengel Perlen die uns glauben lassen, dass da in Berlin noch einiges mehr zu erwarten wäre, wenn sich Blutengel nicht zu sehr darauf ausruhen würden, ihre Klientel zu bedienen. Hübscher Synthie-Pop mit dezent melancholischer Note. Und auch hier logischerweise wieder die orchestralen Elemente. Eventuell denkt Herr Pohl ja mal über die Gründung eines weiteren Projekts nach, bei dem er diesen Weg weiter beschreiten kann, ohne dem Etikett Blutengel verhaftet zu sein.

      Fazit
      Sicherlich: zu echter klassischer Musik gehört wohl noch ein bisschen mehr, als Electro-Pop-Songs derart umarrangieren zu lassen, damit sie von Streichern, Klarinettenbläsern, Pianisten und ähnlichen sinnvoll gespielt werden können. Na und? Ein vergnügliches Hörerlebnis ist „Black Symphonies“ dennoch. Besucher des ersten Gothic Meet Klassik Festivals und/oder der Klassiktour bekommen hier ein Vergissmeinnicht eines sicherlich tollen Abends nachgereicht, alle anderen die Möglichkeit, Blutengel auch mal in klassischem Klangkleid zu erleben. Notorische Blutengel-Hasser werden auch dieses Mal wieder verächtlich die Augenbrauen anheben, wenn das Thema zur Sprache kommt. Egal wie viel (hörbare) Mühe Chris und Kollegen in ein Album stecken. Blutengel-Fans hingegen freuen sich über eine gelungene Abwechslung im Blutengel-Alltag. Und alle anderen müssen neidlos anerkennen, dass von allen Künstlern, die inzwischen ihre Düstersongs klassisch präsentiert (und womöglich ein entsprechendes Album angekündigt) haben, Blutengel die schnellsten waren. Und das, ohne dass es über’s Knie gebrochen wirkt.



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      „A Special Night Out: Live & Acoustic in Berlin“ dokumentiert eine exklusive Akustik-Show der Berliner Erfolgsgruppe Blutengel in ihrer Heimatstadt. Das streng limitierte und nur für kurze Zeit erhältliche CD/DVD-Doppelpack präsentiert dieses einmalige Konzerterlebnis in hochwertiger Bild- und Tonqualität.

      Auf „A Special Night Out“ haben sich Blutengel an ein ganz besonderes Experiment gewagt. An einem Abend im Mai spielten Chris Pohl und Ulrike Goldmann, plus komplette Bandbesetzung (Schlagzeug, Piano, Akustikgitarre) ein ausgesuchtes Set in einem ganz und gar auf die Seele der Songs reduzierten Akustik-Sound. Mit sichtlicher Freude wird eine Mischung aus Blutengel-Klassikern, Hits der letzten Alben, sowie die eine oder andere Rarität auf bis dato ungehörte Art und Weise zu Gehör gebracht: Minimalistisch, zerbrechlich, ehrlich, ohne Netz und doppelten Boden ... und Mitten ins Herz. Von Bombast, Schnörkeln und allem elektronischen Beiwerk befreit, bekommen die Blutengel-Songs, im Vergleich zu den Versionen, die wir kennen und lieben, gleich noch einmal ein ganz anderes Level an Intensität. So entwickelte sich der Abend auch schnell zu einem unterhaltsamen und persönlichen Wechselspiel zwischen Band und Publikum, das „A Special Night Out“ nun in sattem Klang und intimen Bildern für die Ewigkeit festhält. Let me see you stripped down to the bone … im Falle von Blutengel hat diese musikalische Entblätterung zu einem der unvergesslichsten Konzerterlebnisse in der bisherigen Bandgeschichte geführt. Pünktlich zur festlichen Jahreszeit ist diese „Special Night Out“ mit diesem streng limitierten und liebevoll aufgemachten CD/DVD-Set nun auch für alle, die nicht dabeisein konnten, erlebbar … und diejenigen, die in Berlin dabei gewesen sind, können sich auf ein Souvenir der ganz besonderen Art freuen.

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