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Thomas

Firstlight

Registrierungsdatum: 13. November 2008

Beiträge: 3

1

Montag, 20. April 2009, 00:09

Standing

Stehen


Augen betrügen die Seele und stützen ihr Denken.

Jenseits der Worte sagen sie mir so viel.

Ein Fremder, hier wiedergeboren so scheint es,

Wunder tief in mir erweckend.

Wenn nichts gewagt wird, wird auch nichts gewonnen,

also muss ich den Tag nutzen.


Und gegen die Zeit kämpfend bete ich so innig,

dass dieser Moment für immer währt.

Und möge die Welt still stehen, wenigstens für mich.

Durch meine Augen starre in mich.

Ich überbringe mein Herz für alle zu sehen.

Mit meinem Gesicht der Sonne zugewandt stets still stehend.


Du warst es nicht, ich war es nicht, es war niemand.

Es war ein Tag so lang erwartet und die Chance zu sein wie ich.

Ich lasse den Wind durch meine Hände laufen,

bevor ich mich drehte, um weg zu gehen.

In fernen Tagen sehne ich mich, alles so klar zu spüren.


Und gegen die Zeit kämpfend bete ich so innig,

dass dieser Moment für immer währt.

Und möge die Welt still stehen, wenigstens für mich.

Durch meine Augen starre in mich.

Ich überbringe mein Herz für alle zu sehen.

Mit meinem Gesicht der Sonne zugewandt stets still stehend.

Und gegen die Zeit kämpfend bete ich so innig,

dass dieser Moment für immer währt.

Obwohl die Jahreszeiten wechseln und Dinge, die geschehen

in mir bleiben.

Und gegen die Zeit kämpfend bete ich so innig,

dass dieser Moment für immer währt.

Und möge die Welt still stehen, wenigstens für mich.


Vor diesem Tag hatte ich kein Vertrauen in Gelübde oder Urkunden.

Tage folgten auf Tage und Jahre waren bedeutungslos.

Trotz der Weisheit der Niederlage

habe ich mein Herz für alle geöffnet,

um die Wunder zu sehen, die ich gesehen habe.
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Registrierungsdatum: 24. September 2009

Beiträge: 80

Geschlecht: Weiblich

2

Donnerstag, 24. September 2009, 22:20

Zunächst mal: aus meiner Sicht eine sehr gute Übersetzung des Textes und einer meiner Lieblingssongs von VNV - gerade wegen dem Text. Ich war sehr gespannt auf die Zeile "I bear my heart for all to see", weil ich da lange für mich nach der Bedeutung gesucht habe. Ich verstehe diese Zeile so, dass man sein Herz in sich trägt, damit man alles sehen/wahrnehmen/in sich aufnehmen kann. Macht für mich im Gesamtkontext den meisten Sinn, insbesondere da sich der Text aus meiner Sicht sehr auf die eigene Person und wie man das Leben oder eine Situation wahrnimmt bezieht; der Rest der Welt und andere Personen erscheinen mir hier außen vor. Deine Lösung bzw. Interpretation finde ich auch sehr interessant, vielen Dank dafür!
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Wurzelwerk

Still Waters

Registrierungsdatum: 31. Januar 2010

Beiträge: 8

Geschlecht: Männlich

Wohnort: Leeds, GB

3

Sonntag, 31. Januar 2010, 16:36

Hallo Thomas und Queen of Nowhere,
das ist eine sehr gute Übersetzung. Ich habe da nur einige Kommentare, die sich auf meine eigene Interpretation beziehen.

Zunächst einmal die scheinbar wichtigste Zeile "I bear my heart for all to see": "to bear" kann viele Bedeutungen haben, unter anderem auch "tragen". Thomas hat dies auch erkannt, allerdings klingt die Übersetzung etwas holprig. Ich verstehe die Zeile wörtlich so: "Ich trage mein Herz offen und für alle sichtbar", also in etwa "Ich trage mein Herz auf der Zunge", wie der deutsche Volksmund sagt, aber es ist auch im Gesicht erkennbar. Ich finde aber auch deine Interpretation schön und denke, dass der Ziel des Textes dann erreicht ist, wenn du ihn auf dich beziehen kannst und dir eine persönliche Bedeutung für dich selbst zusammengestellt hast, unabhängig davon, was es vielleicht wörtlich heißt.

Dasselbe Wort kommt in der ersten Zeile vor. "To betray" heißt meistens "betrügen", aber wie in diesem Fall kann es auch soviel wie "offenbaren, preisgeben" heißen, wie in dem Beispielsatz "Even though he looked young, his hands betrayed his age". "To bear" drückt hier meiner Meinung nach erneut ein offenes Tragen aus. Dieses Wort wird zumeist in Zusammenhängen wie "bear the pain/shame" oder auch "Jesus has to bear the cross" benutzt. Hier lautet mein Vorschlag also "Augen geben die Seele preis und offenbaren ihre Gedanken" (also die der Seele). Dazu passt dann auch der zweite Satz, der von Thomas schön übersetzt wurde, nämlich, dass man in den Augen so viel ablesen kann, was im Inneren eines Menschen (der Seele) vorgeht.

"Durch meine Augen starre in mich" würde ich als "Starre durch meine Augen in mich hinein" formulieren, um es von der Satzstellung etwas deutscher zu machen.
Bei "Mit meinem Gesicht der Sonne zugewandt stets still stehend" würde ich es eher so schreiben: "... zugewandt, die auf ewig still steht", um klarzumachen, dass mit stillstehen die Sonne gemeint ist und nicht der Sprecher (natürlich setzt dies eine Kepler'sche Ansicht von Astronomie voraus ;) )

"Es war ein Tag so lang erwartet und die Chance zu sein wie ich." Meine Version "Es war ein so lang erwarteter Tag und eine Chance, ich selbst zu sein."

Im Satz danach würde ich vorschlagen, das Verb "rinnen" zu benutzen. Im Ausgangstext wird durch die Benutzung von "run" der bekannte Ausdruck "It ran like sand through my hands" ins Gedächtnis gerufen, der natürlich mit dem Verstreichen von Zeit zu tun hat. Im Deutschen wird dies normalerweise als "Sand rinnt durch meine Hände" ausgedrückt, daher bleibt dieser kleine Wink durch die Benutzung von "rinnen" im Zieltext erhalten. Falls dies als Überinterpretation meinerseits angesehen wird, sollte das idiomatische "wehen" verwendet werden.

"bevor ich mich drehte, um weg zu gehen." => "als ich mich drehte, um weg zu gehen."
danach: "Ich sehne mich danach, in fernen Tagen alles noch so klar zu empfinden."

"Obwohl die Jahreszeiten wechseln und Dinge, die geschehen in mir bleiben."
Hier muss "though" meiner Meinung nach unbedingt als "doch" übersetzt werden. Mein Vorschlag "Und doch ändern sich die Jahreszeiten und Dinge passieren und setzen sich in mir fest."

Im letzten Abschnitt heißt "deed" nicht Urkunden, sondern einfach "Taten". Und im letzten Satz würde ich eher "... geöffnet, damit sie die Wunder sehen können, die ich gesehen hatte." schreiben.

Ansonsten eine sehr gute Übersetzung eines wirklichen schwierigen, aber wunderbaren Textes!
"Alle Wahrheit durchläuft drei Stufen. Zuerst wird sie lächerlich gemacht oder verzerrt. Dann wird sie bekämpft. Und schließlich wird sie als selbstverständlich angenommen." - Arthur Schopenhauer

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Wurzelwerk« (31. Januar 2010, 16:41)

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